Leben in christlicher, internationaler Gemeinschaft…

Leben in christlicher, internationaler Gemeinschaft…

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Ich habe die letzten zwei Jahre meines Lebens auf einem Schiff verbracht. Einem Schiff mit 400 Christen aus aller Welt. China, Indonesien, Kamerun, Moldavien, Mexico, den Färöer Inseln, Italien, Peru, Deutschland, Mongolien, Australien, den USA und vielen mehr.

 

Nach den zwei intensiven Jahren an Bord war ich eigentlich froh, wieder nach Hause zu kommen – ich erinnere mich an meine Fluglandung im Sommer diesen Jahres zurück auf deutschem Boden…es war ein unbeschreibliches Gefühl. Ich wusste, hier ticken alle (mehr oder weniger) wie ich…hier wird meine Sprache gesprochen. Hier werde ich verstanden.

 

 

Kurz noch ein Disclaimer:

Ich habe dabei eine Menge neue Erfahrungen mit Menschen gemacht, die nicht nur anders sprechen, über andere Dinge lachen und anders empfinden als ich, sondern auch ziemlich unterschiedliche Vorstellungen vom “Gott und der Welt” haben. Meine Erfahrungen zum Leben in christlicher, internationaler Gemeinschaft sind sehr schwierig, richtig zu beschreiben oder einzuordnen – andere haben ganz andere Erfahrungen auf dem Schiff (der Logos Hope, getragen von der Organisation OM) gemacht. Generell gilt: Wer dem Anderen mit Offenheit und Verständnis begegnet, wird in jedem Menschen Freude finden können.

 

 

Doch was war so anders auf dem multinationalen, vielfältigem Schiff? Kurz: Es herrschte zwar große Offenheit zueinander, man war interessiert an anderen Kulturen und Menschen, aber es gab ein paar Dinge, die die Gemeinschaft erschwerten:

 

  • Die Sprache: Nur über unsere Muttersprache können wir uns so ausdrücken, wie wir echt empfinden. Es braucht Jahre an Übung, so ein tiefes Verständnis einer anderen Sprache zu entwickeln…Freundschaften beruhen auf gegenseitigem Verständnis und Vertrauen. Es war schwierig, Freunde aus anderen Ländern zu machen, wenn der andere kaum Englisch sprach (wie bei vielen anfänglich der Fall war). Doch die Sprache war nur das Eine, was eine befremdliche Barriere stellte.

 

  • Humor: Es ist unglaublich schwierig, jemanden mit einfachen Sprachkenntnissen zum Lachen zu bringen…vielleicht kennt ihr es – die ersten Witze auf Englisch haben bei euch wahrscheinlich gefloppt. Man spricht zu langsam, stolpert über Wörter und kriegt es einfach nicht hin, den Knack-Punkt des Witzes zu verdeutlichen. Wortspiele machen einen großen Anteil an Witzen aus, doch die kann man erst machen/verstehen, wenn man ein recht fortgeschrittenes Verständnis der Sprache hat.

 

  • Kultur: Kultur ist etwas sehr Schönes. Es ist beeindruckend, wie vielfältig sich der Mensch ausdrücken kann…wie unterschiedlich er empfindet. Kultur verstehe ich als Dachbegriff von Moral, Humor, Werten, Idealen, Ansprüchen an Anderen, etc…einmal erlaubte ich mir einen kleinen Streich an einem japanischen Freund. Seine Reaktion war so bitterböse beleidigt, wie ich es nie gedacht hätte. Anscheinend verletzte ich sein japanisches Ehrgefühl – ein Aspekt, der viel bei der Kommunikation mit Japanern ausmacht. Bei ihnen wird Würde und Ehre sehr hoch gehalten. Es kam noch öfter vor, dass ich ihn unbeabsichtigt verärgerte. Und es fiel auf, dass er anfänglich Schwierigkeiten hatte, Freunde zu machen. Kultur macht einen riesen Unterschied.

 

Ich erinnere mich an den Moment in der Mitte meiner Schiffszeit, als ich in den Essens-Saal lief und den Raum scannte. Ich sah plötzlich, wie jede (Sub-)Kultur ihren eigenen gewohnheitlichen Essensplatz einnahm. Die Latinos saßen immer rechts vorne bei lautem Gerede und Gelächter mit viel zu vielen Leuten an einem Tisch. Links vorne saßen die Asiaten, oft mit Smartphone und Insta-Nudeln, führten meist ruhige und diskrete Gespräche. Den hinteren Bereich füllten eher die westlichen Kulturen, zusammen mit Gästen und den kleineren Kulturen. Innerhalb des grossen hinteren Bereichs sah man auch meist die selben Menschen um den gleichen Tisch sitzen.

Ich merkte “Krass! Irgendwie sind wir gar keine richtige Gemeinschaft…alle sitzen mit ihren ‘Eidgenossen’, innerhalb ihrer Freundesgruppe oder Comfort-Zone”..

 

“Der Mensch ist ein Gewohnheitstier” – und, wir wählen am Liebsten den Pfad des geringsten Widerstandes/Aufwandes. So ist es kein Wunder, dass das auch unter Christen so passieren würde. Aber ich fand es doch sehr bedauerlich. Wie viel konnten wir doch voneinander lernen? Was verpassten wir nicht alles an Erfahrungen, Erlebnissen, Austausch und Wachstum??

 

Nur, um das Bild nicht zu verfälschen: Diese Segregation sah man meist nur zu Essenszeiten – bei der Arbeit und dem sonstigen Leben an Bord ging es schon gemeinschaftlicher zu.

 

Nun könnte ich noch über die vielen verschiedenen Glaubensbilder und Weltvorstellungen reden, die auch die Gemeinschaft erschwerten. Aber ich möchte das Geschriebene zu einem Punkt bringen:

 

Das Leben in allgemeiner, “weltlicher” Gemeinschaft ist anstrengend, erfordert eigene Anstrengung, Toleranz, Offenheit und Verständnis um zu einer guten Sache zu werden.

 

Das Leben in christlicher Gemeinschaft ist oft gefühlt leichter, doch es ist auch ein weniger forderndes Klima, man ist nicht so konfrontiert mit neuen Ansichten, Gedanken und Vorstellungen und bleibt dadurch oft auf der “geistigen” Strecke, wird verschlossener…

 

Das Leben in christlicher, multinationaler Gemeinschaft steht zwischen den anderen beiden. Entweder man kriegt seinen Arsch hoch und kümmert sich aktiv um eine starke Gemeinschaft, setzt sich mit den gegensätzlichen Charakteren und Meinungen auseinander, oder man isoliert sich viel mehr, zieht sich zurück in seine Gewohnheits-Blase und bleibt auch mehr oder weniger auf der Strecke.

 

Insgesamt kann man sagen: Um so schwieriger und komplexer die Gemeinschaft, um so mehr Potential besteht, etwas Großartiges daraus zu machen. Doch es erfordert, dass jedermann am selben Tau zieht.

 

Ich persönlich entschied mich bewusst gegen eine christliche Gemeinschaft und bewusst für eine “weltliche” Gemischt-WG, da ich keine Lust mehr auf Gleichdenkende und das Gewohnte hatte, sondern wieder in der Welt zu stehen und die vielen Herausforderungen wahr zu nehmen, die im christlichen Miteinander oft nicht vorhanden, tabu sind oder tot geschwiegen werden.

 

Ich kann nur jedem ans Herz legen, sich gründlich zu überlegen, in was für eine WG man ziehen möchte. Seid euch bewusst, was für Einflüssen ihr in christlichen sowie nicht-christlichen WG’s ausgesetzt seid. Bei beiden gibt es gute und giftige Einflüsse. Seid aktiv offen und bemüht euch um Gemeinschaft und Verständnis.

Bei Findaplace kannst du christliche WGs in ganz Deutschland finden. Suche und finde christliche WGs in Berlin, Köln, München, Kiel, Bonn, Dortmund, Dresden, Kiel, Marburg, Freiburg, Stuttgart, Karlsruhe, Rostock und vielen weiteren Städten.

24. November 2016 / von / in

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